10.05.2023
Angst - ein Gefühl mit Nebenwirkungen
„Die Angst vor der Angst“
DAUN. Das Gemeindepsychiatrische Betreuungszentrum (GPBZ) Daun präsentierte im Mai den Fachvortrag " Angst - ein Gefühl mit Nebenwirkungen“ von Dr. Esther Baican-Kadour, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Krankenhauses Daun.
Der Saal im Dauner Forum, ein Gäste- und Veranstaltungszentrum, war sehr gut
besucht. Nach der dreijährigen Corona-Pandemie mit ihren Kontaktverboten und
Isolationssituationen, sowie den aktuellen globalen Verwerfungen -Krieg,
Inflation, Naturkatastrophen und vieles mehr- war das Thema „Angst“ für viele
Besucher sehr interessant.
Für einige war es eine reine Informationsveranstaltung und für andere war es eine bewusste und aktive Auseinandersetzung mit der Angst und ihren Gefühlen.
Bettina Borsch, Leiterin des GPBZ Daun, begrüßte die Besucher mit einigen Informationen zum GPBZ und über die zu gründende Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit psychischer Erkrankung.
„Angst kann
jeden treffen“
Angst ist etwas ganz Normales und tatsächlich auch Gutes. Sie hilft uns,
im Alltag zu überleben. „Angst ist auch eine Schutzfunktion, um Situationen
wahrzunehmen und richtig einzuschätzen“, erläutert Dr. Esther Baican-Kadour zum
Einstieg in ihren Vortrag. Wenn Gefahr droht, versetzt die Angst den Körper in
eine Alarmbereitschaft, damit man nicht in eine schwierige Lage gerät. Wer Angst
hat agiert in kritischen Situationen vorsichtig und aufmerksam – oder begibt
sich erst gar nicht in Gefahr.
Am Beispiel von Edvard Munch und seinem Kunstwerk „Der Schrei“ zeigt sie auf, dass viele Künstler das Thema Angst in ihrem künstlerischen Schaffen aufgegriffen haben und ergänzt: „Dadurch haben Sie ihre Ängste angenommen und diese auch mitgeteilt.“
Neben einer Nervosität, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder einer Benommenheit, stellen sich häufig auch Zittern, Schwitzen, Muskelverspannungen und Magen-Atembeschwerden ein. Sich ständig zu ängstigen, ist erschöpfend und kann zu Konzentrations- und Schlafstörungen führen.
Wenn die
Angst mein Leben bestimmt
Nach
dem Vorstellen von möglichen Auslösern/Ursachen der Ängste und deren Symptomen
ging Dr. Esther Baican-Kadour unter anderem auch auf Panikattacken und die
generalisierten Angststörungen ein.
Wie
sehr die Ängste das Leben einschränken, hängt von ihrer Art ab, doch ungünstiger
Weise werden sie oft mit der Zeit schlimmer wie zum Beispiel:
Menschen mit einer
generalisierten Angststörung können sich u.a. in einem Moment ängstigen, dass
ihr Partner auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall haben könnte. Im nächsten
Augenblick fürchten sie, dass ihr Kind auf dem Weg zur Schule überfahren wird;
dann, dass sie ihre Haustüre nicht abgeschlossen haben und schließlich, dass
sie am nächsten Tag eine schwere Erkrankung bekommen. Sie machen sich
praktisch über alles Sorgen – über große wie kleine und sogar über völlig
belanglose Dinge. Viele fürchten
auch die Angst selbst oder machen sich Sorgen darüber, dass sie sich dauernd
Sorgen machen. Die ständigen Befürchtungen schränken das tägliche Leben
deutlich ein und können die Stimmung verdüstern.
„Angst vor der Angst“ Bei diesen Erläuterungen
ergreift ein Besucher das Wort und sagt über seine Erfahrungen: „Angst ist für
mich ein Problem, wenn ich nichts mehr im alltäglichen Leben machen kann. Wenn
die Symptome mich dauerhaft so stark beeinträchtigen, dann habe ich nur noch
Angst vor der Angst.“ Vor
allem wenn gleichzeitig eine Depression besteht, kann eine Angststörung das
Gefühl verstärken, das Leben sei nicht mehr lebenswert.
„Sie empfinden körperliche
Symptome und spüren bei Panikattacken durchaus auch Todesangst. Nur finden sie
sich damit in der Regel zuerst in der Notaufnahme und nicht bei uns den Fachärzten wieder. Bis sie als Arzt erst einmal darauf kommen, womit sie es zu
tun haben, dauert es eine Weile“, verdeutlicht Dr. Esther Baican-Kadour den
langen Leidensweg der Betroffenen.
Für viele Betroffene ist
der Weg aber damit noch nicht beendet. Es folgen unter anderem regelmäßige fachärztliche
Kontakte, der Beginn einer kognitiven Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischen
Methoden, Entspannungsübungen und die Einnahme von Medikamenten.
Zusätzlich wird jetzt im GPBZ Daun auch
eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von
Menschen mit psychischer Erkrankung gegründet:
- Für Angehörige, Partner und Kinder von psychisch Erkrankten bieten wir einen Ort des Austausches an
- Gemeinsam und nicht alleine
- Belastungen teilen und gegenseitig ermutigen
- Psychische Erkrankungen besser verstehen
- Entlastungsmomente erfahren.
Ort: Gemeindepsychiatrisches Betreuungszentrum (GPBZ) Daun, Borngasse
7,
54550 Daun, Tel.: 06592/957601
Termin: Am letzten Dienstag im Monat, Von: 17:30 – 19:00 Uhr
Bei Interesse oder Fragen freuen wir uns über Ihren Anruf: Sabine Ringleb, GPBZ Daun, Tel.: 06592/957601
Informationen sind auch bei der Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (SEKIS) e.V. Trier zu erhalten.
Abgerundet wird der Abend mit einem Besuch im GPBZ, wo Mitarbeiter*innen die Räumlichkeiten zeigen, über ihre alltägliche Arbeit berichten sowie die Fragen der Besucher ausführlich beantworten.




