06.12.2018

Auf dem richtigen Weg - Informationsveranstaltung BTHG

TRIER. Mit einer Veranstaltung zum Bundesteilhabegesetz (BTHG) am 12. November 2018 im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier hat die BBT-Gruppe die Mitarbeitenden der Psychiatrischen Dienste eingeladen, miteinander über den Paradigmenwechsel im System der Eingliederungshilfe ins Gespräch zu kommen und sich fachlich auszutauschen.

Auf dem richtigen Weg - Informationsveranstaltung BTHG


Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung von den Mitgliedern des Programms BTHG, um den rund 150 Teilnehmenden erste zentrale Informationen auf Gruppenebene zukommen zu lassen. Thema waren vor allem die grundsätzlichen Änderungen und die noch ausstehenden Rahmenverträge in den Bundesländern. 

Matthias Warmuth, Geschäftsführer der BBT-Gruppe, eröffnete die Veranstaltung: „Das BTHG ist kein Thema, das uns Sorgen machen muss. Wir müssen uns damit auseinandersetzen und damit sind wir nicht allein, denn alle anderen Einrichtungen deutschlandweit müssen das auch.“ 
Mit dem neuen Gesetz werde nicht mehr nur die Beeinträchtigung in den Blick genommen, sondern es werden auch die Umweltfaktoren mitgedacht. „Ich habe sehr schlechte Augen. Das hindert mich in meiner Teilhabe am Leben. Sobald ich jedoch meine Brille aufsetze, ist diese Beeinträchtigung verschwunden“, erklärte Thomas Schmitt-Schäfer vom Sozialplanungs- und Beraterbüro transfer, das die Veranstaltung begleitete. „Sie alle sind die Brille für Ihre Klienten. Sie müssen sich als Umwelteinfluss begreifen.“ In Zukunft müsse der Leistungsträger ermitteln, in welchen Bereichen seines Lebens der Antragsteller sich Teilhabe und Unterstützung wünscht. Beim folgenden Gesamtplanverfahren säßen alle zuständigen Stellen an einem Tisch und diskutierten die Umsetzung der Wünsche. Die Umsetzung des BTHG sei nicht abgeschlossen, sondern im Wandel, einige Rahmenverträge stünden noch aus. In Rheinland-Pfalz sollen die Rahmenverträge bis zum 31. Dezember 2018 vorliegen. Veränderungen im System zur Verbesserung seien möglich und erforderlich, so Schmitt-Schäfer. 
Die Umsetzung des Gesetzes wirft bei Betroffenen viele Fragen auf, dessen sind sich die Programm-Mitglieder sicher. Um diese zu klären, konnten die Teilnehmer der Veranstaltung zwischen vier Workshops wählen. Themen waren das neue Gesamtplanverfahren, die Trennung von Fach- und Sachleistung, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sowie der personenbezogene Ansatz aus Betroffenenperspektive. Die Teilnehmer waren engagiert, neugierig und offen für die Neuerungen, wenn auch etwas skeptisch. Dementsprechend diskutierten sie in den Workshops angeregt und konstruktiv. Dabei vergaß man nicht die, um die es eigentlich geht: die Klienten. Den Gedanken, mehr mitbestimmen zu können, begrüßten Georg Justen vom Werkstattrat der St. Bernhards-Werkstätten vom Schönfelderhof und Matthias Hürter, Werkstattrat St.-Josefs-Werkstätten Plaidt, sowie Daniel Knezic von der Bewohnervertretung in Plaidt. Auch die Stärkung des Werkstattrates und die Verbesserung des Gehaltes empfinden sie als positiv. Sie gaben jedoch zu bedenken, dass durch den größeren Dokumentationsaufwand für die Betreuung weniger Zeit bliebe. Im Workshop zur Betroffenenperspektive gab es Kritik an der Neun-Punkte-Regelung, mit der ein Bedarf ermittelt werden soll. Es könnten Menschen aus dem System fallen, die vorher Hilfe erhielten. 
Den aktuellen Stand der Umsetzung und die rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick hatte Albert Mandler, der Programmleiter. Er erläuterte, dass die BBT-Gruppe im nächsten Jahr regelmäßig die Mitarbeitenden schult, damit sie sich beim Planverfahren entschieden für ihre Klienten einsetzen können. Dazu gehören unter anderem eine gute Kenntnis der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) sowie die individuelle Bedarfsermittlung. „Wir müssen unsere Klienten in- und auswendig kennen“, sind sich die Teilnehmer einig. „Das BTHG ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir stehen zu 100 Prozent dahinter. Aber das funktioniert nicht mit Kostendeckelung. Betreuung nach Maß kostet nicht weniger. Die Grundaussage des Gesetzes ist großartig, aber es gibt noch Tendenzen, die wir kritisch im Blick behalten müssen“, so Warmuth am Ende des Tages.


Zum Hintergrund 
Bundestag und Bundesrat haben im Dezember 2016 das Bundesteilhabegesetz (BTHG) beschlossen. Ziel des Gesetzes ist es, die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen zu stärken. Es soll die Eingliederungshilfe aus dem Fürsorgesystem der Sozialhilfe herauslösen. Der personenbezogene Ansatz in der Erbringung von Betreuungsleistungen wird deutlich in den Vordergrund gestellt. Dies bedeutet für das System der Eingliederungshilfe – und damit auch für die BBT-Einrichtungen in den psychiatrischen Diensten – einen Paradigmenwechsel. Die Einrichtungen der BBT-Gruppe im Geschäftsfeld Psychiatrische Dienste hatten sich im Gesetzgebungsverfahren aktiv am Diskussionsprozess der Gesetzesinhalte beteiligt. Das BTHG wird umfangreiche Auswirkungen auf das Leistungsgeschehen, die Mitarbeitenden, die Infrastruktur der Einrichtungen, die wirtschaftlichen Ergebnisse, die Aufbau-und Ablaufstrukturen und der IT haben. Die BBT-Gruppe hat deshalb das Programm „Umsetzung BTHG 2017-2023“ etabliert, das aus mehreren Projekten besteht.


Die Workshopleiter fassten in einer Podiumsdiskussion die Ergebnisse der Workshops zusammen. (V. li.) Thomas Schmitt-Schäfer (Geschäftsführer transfer), Franziska Müngersdorff (Sozialraummanagerin SFH), Bernhard Wagner (Vorstandsmitglied LVPE Saar e.V.), Gregor Nöthen (Werkstattleiter in Plaidt), Dr. Peter-Felix Ruelius (Zentralbereichsleiter Christliche Unternehmenskultur und Ethik), Matthias Warmuth (Geschäftsführer BBT-Gruppe), Albert Mandler (Fachleiter Psychiatrische Dienste) und Ruth Klein (Leiterin der Stabsstelle Altenhilfe).
Georg Justen, Daniel Knezic und Matthias Hürter (v. l.) vertraten die Klientenperspek¬tive. Die Werkstatträte stärkt das BTHG, zum Beispiel mit 15 statt zehn Fortbil¬dungstagen.
 
 
 
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