29.06.2016

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Ist das Kunst, oder kann das weg?

DAUN. So lautet das Motto einer kleinen Vernissage, die im Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrum (GPBZ) Daun stattfand. Die Veranstaltung bildet den Abschluss eines 15 wöchigen Projektes unter Leitung von Julia Müller. Müller ist Ergotherapeutin und nimmt aktuell an einer Fortbildung zur Kunsttherapeutin teil. Das Projekt ist Teil dieser Fortbildung.

Julia Müller begrüßt die Anwesenden und stellt das Projekt mit folgenden Worten dar:


"Seit März haben wir uns einmal wöchentlich im Raum der Ergotherapie getroffen und sind gemeinsam gestalterische Wege gegangen. Es bestand von Beginn an eine große Offenheit für das was kommt, jedoch auch eine anfängliche Skepsis: kann die Kunst was für rational - mathematisch geprägte Menschen sein? Reichen meine Fähigkeiten? Was kommt da auf mich zu?


Der Weg begann beim eigenen Namen. Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Verschwiegenheit, Sensibilität, Geduld, Unerschrockenheit, Freundlichkeit, gut auf Menschen zugehen, sorgend, …., das war eine kleine Auswahl der Stärken, die die Teilnehmer bei sich selbst und bei anderen benannten, und die zur Gestaltung eines                       "Stärketieres"führten.                                                                                                                                                       

                                                                                                                                                              Weitere Tiere geleiteten uns durch das Thema Gefühle: Die Fische des Künstlers Mies van Hout sowie das Buch "Der Seelenvogel" gaben Inspirationen für Gestaltungen. Dazwischen gab es experimentelle Stunden, in denen der Zufall die Farbe führt, und - wie Paul Klee sagt - "Kunst sichtbar macht" -; in diesen Bildern gibt es viel zu entdecken. 

Mut zur Ausstellung
Nach einer großen Gemeinschaftsarbeit wollte die Gruppe eine Ausstellung machen. Dies war zu Beginn abgelehnt worden und überraschte und erfreute mich sehr: es zeugt von Mut, sich und seine Werke anderen zu zeigen, aber auch von Offenheit und das beweist die Gruppe einmal mehr.
Weitere Arbeiten die folgten waren u.a. Kleckerbilder, Darstellungen zum Thema "Der innere Boden" und  "Mal was anderes (tun)"

Nachdem wir uns über zwölf Wochen lang eigenen Werken gewidmet haben, wurde in der letzten Woche nach einem Begriff von Kunst gesucht - daraus ist der Name der Ausstellung entstanden.

Dieser Ausspruch geht vermutlich auf einen Vorfall mit dem Aktionskünstler Joseph Beuys zurück, der viele Alltagsmaterialien in seine Werke einbaute. Zwei davon wurden 1973 und 1986 nicht als Kunst erkannt: 1973 reinigten einige Frauen bei einer geselligen Feier eine von Beuys mit Mullbinden und Heftpflastern versehene Badewanne für Babys - um darin Gläser zu spülen. 1986 wurde seine "Fettecke" in der Düsseldorfer Kunstakademie vom Hausmeister weggewischt.

Innerhalb der Gruppe haben wir uns in dieser Erklärung von Kunst wiedergefunden: Kunst hat ein nahezu unendliches Repertoire an Ausdrucksweisen und Darstellungsformen

Hierzu sehen sie nur eine kleine Auswahl. Im Laufe der Stunden wurde mit Acrylfarbe, Kreiden, Ölkreiden, Gips, Holz, Wolle, Stoff … gearbeitet. Es gibt keine zwei gleichen Werke, … und die Möglichkeiten sind noch nicht erschöpft.

Alles in allem gilt: für Kunst muss man aufgeschlossen sein, egal in welchem Bereich.

Große und kleine Überraschungen                                                                                                                Ich würde noch ergänzen, dass es neben Aufgeschlossenheit Mut braucht, etwas Neues auszuprobieren, Vertrauen, sich einzulassen, Kreativität, um Ideen zu haben, über etwas gewohntes hinauszugehen. Mit herausgekommen ist wiederholt die Fähigkeit zu überraschen:
Die Gruppe hat mich mehrmals überrascht: sich für die Ausstellung zu entscheiden, mit dem Titel direkt anzusprechen, Aufmerksamkeit zu erregen. Neben diesen großen Überraschungen gab es in jeder Stunde kleine Überraschungen, die sich darauf bezogen sich selbst über Gestaltung auszudrücken und einander kennen zu lernen.

Für all das möchte ich mich bedanken: für Mut, Offenheit, Vertrauen. Dass ihr die wenigen Vorbehalte schnell abgelegt und Euch auf mich und meine Arbeit eingelassen, und  auch mal Veto eingelegt habt. Ich habe mich immer gefreut, herzukommen und mit Euch zu arbeiten und hoffe, dass Ihr ebensoviel Bereicherung wie ich daraus mitnehmt.

Desweiteren möchte ich mich auch beim Team der Tagesstätte Daun und Wolfgang Michaely (Stellv. Leiter Psychiatrische Dienste) bedanken. Ich habe hier Unterstützung erfahren, mein Projekt durchzuführen und abzuschließen, die Bereitstellung von Raum und Material, Offenheit für Rückmeldungen, vielen Dank.

Kunst ist eben, was man nicht erklären kann, sondern selber sehen und fühlen muss.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen viel Spaß dabei, unsere Kunst zu erfahren."