In einem Interview zum 2. Bericht des Spitzenverbandes der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDS), der am vergangenen Freitag in Berlin vorgestellt wurde und teils menschenunwürdige Zustände in Deutschlands Altenpflege anmahnt, unterstreicht BBT-Vorstandsmitglied Günter Mosen heute in Koblenz: "Selbstverständlich prüft auch bei uns – angemeldet und unangemeldet – der Medizinische Dienst der Krankenkassen sowie die Heimaufsicht des Landes. "Katastrophale Missstände", von denen jetzt einige Medien sprechen, hat keine MDK- oder sonstige Prüfung in der Vergangenheit in unseren Altenheimen festgestellt, aber natürlich auch aufgezeigt, wie wir uns verbessern können.“
In der aktuellen Diskussion appelliert Mosen, besonnen zu bleiben und warnt vor populären ad hoc Aktionen. „Das, was wir heute leider zur Kenntnis nehmen müssen, ist die Folge einer langjährigen Entwicklung und einer Politik, die offensichtlich zu lange und zu gerne an die Finanzierbarkeit der Pflege glaubte, als von den Vertretern in den Spitzen- und Wohlfahrtsverbänden schon genau dieses Szenario vorhergesagt wurde.“
Auch müsse darüber nachgedacht werden, ob dem vermeintlichen Pflegenotstand in Deutschland mit weiteren Vorschriften beizukommen sei. „Es geht nicht nur ums Geld. Es geht auch darum, wie sich das Wertbewusstsein in unserer Gesellschaft geändert hat, welchen Stellenwert wir heute „Alter“ und „Altsein“ beimessen – Menschen nicht nur werbetechnisch als „best agers“ schätzen sondern für alte, pflegebedürftige Menschen heute genauso das Beste wollen, wie wir es in Zukunft für uns selber wünschen.“
Die Forderung des MDS, Prüfberichte zu veröffentlichen, sei sicherlich eine Möglichkeit, für mehr Objektivität bei der Auswahl eines Wohn- und Pflegeplatzes zu sorgen. „Aber Zahlen geben keine Auskunft darüber, ob man sich auf die individuellen Bedürfnisse eines Bewohners wirklich einstellt. Das Eine ist, die Pflege eines alten Menschen nach vorgegeben und messbaren Zahlenwerten zu beurteilen; das Andere, einen Menschen nach ethischen Wertmaßstäben zu betreuen.“ Mosen rät deshalb allen Menschen, sich in Häusern vor Ort zu informieren. „Die beste Orientierung bietet der direkte, persönliche Kontakt. Menschen, die nach einem Heimplatz suchen, sollten einen Gesprächstermin vereinbaren, sich das Haus zeigen lassen, mit den Mitarbeitenden, Bewohnern und deren Angehörigen sowie den ehrenamtlichen Helfern sprechen und sich selber einen Eindruck verschaffen. Welchen Eindruck hinterlässt das Haus? Wie flexibel reagiert der Anbieter eines Wohn- und Pflegeplatzes auf Sonderwünsche? Ist ein Haus bereit, dies auch vertraglich zu zusichern? Werden die Angehörigen eingebunden, wenn der Betroffene dies wünscht? Wie ist der allgemeine Ruf der Einrichtung in der Region? Diese und weitere Fragen schaffen hier mehr Klarheit als noch mehr Statistiken.“
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