ZEMMER. Im März informierten sich Bewohner der regionalen Heime für Menschen mit psychischen Behinderungen, Heimbeiräte, Mitarbeiter der Einrichtungen und Behörden auf dem Schönfelderhof über die Bandbreite der möglichen Wohnformen. Organisatorische, rechtliche und finanzielle Fragen wurden durch Betroffene und Fachleute beantwortet.
Der Hausobere des Schönfelderhofes Werner Schmitz begrüßte die Gäste und beantwortete die Frage "Der Weg aus dem Heim - aber wie? mit dem Hinweis, am einfachsten, indem man durch eine Türe geht.
Zur Zeit leben 3.500 Menschen in Rheinland-Pfalz in Heimen und 1.000 Menschen im betreuten Wohnen. "Für eine Person kann es schon ein großer Schritt sein, über Alternativen zu einer stationären Betreuung nachzudenken", betonte Roswitha Beck, Verein zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie e.V.
Der Leiter der Gemeindepsychiatrischen Angebote des Schönfelderhofes Albert Mandler führte die Anwesenden mit einem Fallbeispiel in das Thema der Veranstaltung ein. Er erzählte die Geschichte eines Klienten der 1999 den Schritt aus dem Heim (Schönfelderhof) machte:
... "Wir haben das Jahr 1999. Es ist 19:45 Uhr an einem Montagabend auf dem Flugplatz Berlin-Tempelhof. Aufgeregt steht Klaus am Transportband und wartet auf seinen Koffer. Wie auch etliche Male zuvor ist - nach einem ruhigen entspannten Flug von Luxemburg nach Berlin, zu dem die Stewardessen noch einiges beigetragen haben, - die Spannung und Nervosität wieder gestiegen. Kommt der Koffer auch tatsächlich an? Wird seine Schwester ihn auch wieder pünktlich abholen? Fragen, die er sich nach jedem Flug immer wieder gestellt hat. Doch heute gehen Klaus andere Gedanken durch den Kopf. Gedanken, mit denen er sich in den letzten Jahren - und zwar hin und wieder - beschäftigt hat. Er glaubte aber nie daran, dass sie einmal wahr werden könnten. Ohne ein Rückflugticket nach Berlin zu fliegen und für immer in seiner alten Heimat zu bleiben. Klaus wird aus seinen Gedanken gerissen. Sein Koffer ist da und von weitem sieht er seine Schwester am Terminal stehen" ...
Verantwortlich für diesen Start in ein neues Leben waren neue Entwicklungen. Begriffe wie "Gemeindenahe Psychiatrie", "Personenorientierung", und der Anspruch "Wohnen wo ich will und wie ich will, veränderten die Psychiatrie". Eine Rolle mag wohl auch gespielt haben, dass Klaus regelmäßige Besuche in Berlin bei seiner Schwester ermöglicht wurden und das damals schon der Grundsatz galt: Wohnen wo ich will und wie ich will.
Danach machte Klaus Laupichler - Landesverband der Psychiatrieerfahrenen - allen mit seiner eigenen Geschichte Mut: " Meine Schublade war schon zu und jetzt wohne ich in einer kleinen Wohnung auf der schwäbischen Alp".
Wie hilfreich für diesen Schritt das Persönliche Budget und die Teilhabeplanung sind, verdeutlichte Christina Nedoma, Referat Grundsatzfragen der Eingliederungshilfe in Mainz.
Jetzt diskutierten alle über ihre Erfahrungen, Wünsche, Hindernisse und über Fragen aus der Praxis.
Zum Schluss fasste Dr. Richard Auernheimer zusammen: "Wir wollen Mut machen. Mut machen, um etwas zu verändern und neue Wege schaffen".
Musikalisch wurde die Veranstaltung durch die Trommelgruppe des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrum Hermeskeil begleitet.
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